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Film Ohne Film Ausstellung am Stuttgarter Filmwinter

KHM

„filmohnefilm“ – der Titel der Ausstellung impliziert eine paradoxe Negation, denn was bleibt vom Film, wenn man den Film davon abzieht? Dieser Fragestellung widmete sich das gleichnamige Seminar im Wintersemester 2017/18 an der Kunsthochschule für Medien in Köln. Initiiert von Daniel Burkhardt, Christian Faubel und Luis Negrón (alle drei künstlerisch-wissenschaftliche Mitarbeiter der KHM) waren die Studierenden aufgefordert auf die abstrakt gestellte Frage mit konkreten künstlerischen Arbeiten zu antworten. Die ganze vorstellbare Bandbreite an kinetischen, hydraulischen, thermodynamischen, algorithmischen oder performativen Methoden der Bild- und Tonerzeugung war dabei möglich. Einzig der Rückgriff auf herkömmliche zeitbasierte Aufzeichnungs-und Speichermedien wie Film-, Video- und Tonequipment sollte explizit vermieden oder diese sollten in ungewohnter Form sicht- und hörbar gemacht werden. Die Intention hinter dieser Aussparung war das Anregen einer erneuten Reflexion über die verschiedenen Arten von black boxes, wie Kameras, Projektoren und Computer, die uns in unserem medialisierten Alltag wie selbstverständlich umgeben. Es galt dabei, sich die grundlegenden Funktionsprinzipien bewusst zu machen und durch spielerische Herangehensweisen der Nachahmung und Fehlnutzung, des Aufbrechens und Hackens zu abweichenden Formen und neuen Erkenntnismöglichkeiten zu gelangen. Eine zweite Ebene der Reflexion bezog sich auf die basalen Funktionsweisen und Mechanismen der Wahrnehmung – die menschliche black box. Wie entsteht der Eindruck (die Illusion) von Bewegung? Wie werden Objekte miteinander in Zusammenhang gebracht und verknüpft? Wie unterscheiden wir Vorder- von Hintergrund, Nebensächliches von Wesentlichem? Wie entstehen Sinn und Bedeutung? An der Kunsthochschule für Medien Köln gibt es seit ihrer Gründung im Jahr 1990 eine ununterbrochene Traditionslinie studentischer Projekte, die sich auf kritisch-analytische Art mit den verwendeten medialen Tools auseinander setzen. Diese teils technisch hoch komplexen, manchmal aber auch denkbar einfachen künstlerischen Arbeiten liefern den kontinuierlichen Subtext und geistigen Nährboden für die vielen anderen Projekte, bei deren Realisierung die medialen Werkzeuge ohne explizite Infragestellung zur Anwendung kommen. Im Rahmen des Seminars „Film ohne Film“ gilt es nun diese Formen der selbstreflexiven Auseinandersetzung in den Fokus zu rücken. Der Stuttgarter Filmwinter selbst hat seit seinem Bestehen immer wieder ein lebendiges Interesse für filmische Formen gezeigt, die aus ihrem eigenen medialen Korsett ausbrechen und in Richtung räumlicher Installation, urbaner Intervention oder performativer Aktion expandieren. Anhand der aus Ausstellung „filmohnefilm“ lässt sich nun überprüfen, wie eine heranwachsende Generation von Künstlern mit den Dispositiven der vielfältigen technischen Apparate und ihren Analogien und Widersprüchen im Bezug auf unsere Wahrnehmungsfähigkeiten umgeht und welche neuen Formen, Modelle und Denkansätze daraus entstehen.